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Was müssen Sie als Kleinunternehmer in Bezug auf die Mehrwertsteuer beachten?

Amon Menzel Amon Menzel on 17.04.2019 16:52:00 in

Was müssen Sie als Kleinunternehmer in Bezug auf die Mehrwertsteuer beachten?

Die Mehrwertsteuer: Als gesetzestreue Bürger bezahlen wir sie laufend im Zuge unserer täglichen Einkäufe. Aber was genau ist die Mehrwertsteuer? Welche Steuersätze gibt es? Welche Regeln müssen Sie beim Verrechnen und Bezahlen beachten? Und unter welchen Umständen sind Sie von der Mehrwertsteuer befreit? Hier finden Sie Antworten auf diese Fragen.

Wie funktioniert die Mehrwertsteuer?Gleich zu Beginn die Basics: Mehrwertsteuer ist eine indirekte Steuer, die der Staat auf den Kauf von Waren und Dienstleistungen einhebt. Die Steuer berechnet sich vom Verkaufspreis eines Produkts oder einer Dienstleistung, und zwar bei jedem Schritt des Produktions- oder Vertriebsprozesses. Anders ausgedrückt wird der Mehrwert, der einem Produkt oder einer Dienstleistung hinzugefügt wird, bei jedem Schritt besteuert.

Diese Steuer wird in 166 Ländern der Welt erhoben, einschließlich aller Länder der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) mit Ausnahme den USA. Für die EU sind die allgemeinen Vorschriften in der Mehrwertsteuerrichtlinie geregelt. Diese wird in jedem Mitgliedstaat etwas anders angewendet, muss jedoch den europäischen Rechtsvorschriften entsprechen. Die aktuelle europäische Mehrwertsteuerrichtlinie ist seit 1. Januar 2007 in Kraft.

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Wie funktioniert die Mehrwertsteuer?

In fast allen Ländern, die Mehrwertsteuer erheben, addiert der Produzent oder Lieferant bei jedem Verkauf eines Produkts oder einer Dienstleistung Mehrwertsteuer zum Verkaufspreis. Der Käufer erhält eine Rechnung, auf der die Höhe der Mehrwertsteuer ausgewiesen ist.

Doch muss dieser Käufer, z. B. Sie als Kleinunternehmer, Mehrwertsteuer verrechnen, wenn er das Produkt oder die Dienstleistung wieder verkauft? Im Allgemeinen können Sie die Mehrwertsteuer, die Sie für steuerpflichtige Produkte oder Dienstleistungen bezahlen, von der Mehrwertsteuer, die Sie bei einem Verkauf erhalten, abziehen. Sie müssen diese Differenz regelmäßig bekannt geben und an den Staat bezahlen (oder sie zurückfordern, wenn Sie weniger Mehrwertsteuer erhalten als bezahlt haben).

Letztlich wird die Mehrwertsteuer an den Endnutzer weitergegeben (er muss sie bezahlen, ohne sie zurückfordern zu können). Wenn Sie als in der EU ansässiges Unternehmen ein Produkt oder eine Dienstleistung an ein anderes Unternehmen in einem anderen EU-Mitgliedsland verkaufen, müssen Sie normalerweise keine Mehrwertsteuer verrechnen. Das Unternehmen, dem Sie ein Produkt oder eine Dienstleistung verkaufen, bezahlt dann die in seinem Land gültige Mehrwertsteuer. Umgekehrt können Sie aber die Mehrwertsteuer auf Artikel und Dienstleistungen zurückfordern, die Sie speziell für diesen Verkauf erwerben mussten.

Wenn Sie Produkte an Verbraucher in einem anderen EU-Mitgliedsland verkaufen, müssen Sie sich normalerweise dort registrieren und den in dem Land üblichen Mehrwertsteuersatz verrechnen, außer Ihr Gesamtumsatz im jeweiligen Jahr liegt unter dem in diesem Land gültigen Mehrwertsteuer-Schwellenwert. In diesem Fall bezahlt der Kunde den Mehrwertsteuersatz, der in Ihrem Land für Verkäufer gilt.

Wenn Sie Dienstleistungen an Verbraucher verkaufen, verrechnen Sie normalerweise den Mehrwertsteuersatz Ihres Landes. Wenn Sie jedoch elektronische, Telekom- und Rundfunkdienste bereitstellen, wird die Mehrwertsteuer im Allgemeinen im Land des Verbrauchers bezahlt.

Hinweis: Diese Regel gilt nicht, wenn der Verkaufswert aller in EU-Mitgliedsländern erbrachten Dienstleistungen im selben Jahr und im Vorjahr weniger als 10.000 Euro beträgt. In diesem Fall können Sie ebenfalls den Steuersatz Ihres eigenen Landes verrechnen.

Ein weiterer wichtiger finanzieller Hinweis: Sie müssen entweder die Differenz zwischen der in einem bestimmten Zeitraum tatsächlich erhaltenen und bezahlten Mehrwertsteuer berechnen – der auf Ihrem Konto eingegangene Mehrwertsteuerbetrag minus dem ausgezahlten – oder die Differenz zwischen der auf Rechnungen geforderten und von Ihnen bezahlten Mehrwertsteuer. Im letzteren Fall kann es passieren, dass Sie die von Ihnen auf Rechnungen ausgewiesene Mehrwertsteuer schon zu einem Zeitpunkt abführen müssen, zu dem Sie diese noch gar nicht erhalten haben.

Welche Steuersätze gibt es?Welche Steuersätze gibt es?

Weltweit sind unterschiedliche Mehrwertsteuersätze in Gebrauch. Innerhalb der EU wird von Mitgliedstaaten auf die meisten Produkte und Dienstleistungen ein allgemeiner Steuersatz erhoben. Dieser Steuersatz kann von jedem Mitgliedsland selbst festgelegt werden, er darf aber nicht unter 15 % liegen.

Zusätzlich dürfen die Mitgliedstaaten maximal zwei verringerte Steuersätze für eine beschränkte Anzahl von Produkten und Dienstleistungen anwenden. Diese Steuersätze dürfen im Allgemeinen aber nicht unter 5 % liegen. Welcher Steuersatz für welche Produkte und Dienstleistungen erhoben wird, ist letztlich eine politische Entscheidung.

Beispielsweise beträgt der Normal-Steuersatz in Deutschland 19 %. Bestimmte Leistungen werden mit einem ermäßigten Steuersatz von 7 % besteuert oder sind gar steuerbefreit. Der Normal-Steuersatz gilt für alle Produkte und Dienstleistungen, die unter keine spezielle Kategorie fallen.

Zusätzlich erheben manche Länder einen stark reduzierten Steuersatz von weniger als 5 %. Beispielsweise beträgt in Spanien die Mehrwertsteuer für die Wartung und Anpassung von Fahrzeugen für Personen mit einer Behinderung nur 4 %. Es gibt auch einen sogenannten „Parksatz“, den manche EU-Länder auf gewisse Produkte und Dienstleistungen anwenden, die nicht unter den normalen, verringerten Steuersatz fallen. Außerdem gibt es noch den „Nullsatz“, aber mehr dazu weiter unten.

Wann sind Sie von der Mehrwertsteuer befreit?

Unternehmen, die verpflichtet sind, Sie Mehrwertsteuer einzuheben oder abzuführen, müssen sich in den meisten Ländern bei der für die Mehrwertsteuer zuständigen Behörde als natürliche oder juristische Person registrieren.

In vielen EU-Ländern müssen Sie jedoch keine Mehrwertsteuer bezahlen, wenn Ihr Jahresumsatz z. B. als Freiberufler unter einer gewissen Höhe liegt (17.500 Euro pro Jahr in Deutschland). In diesem Fall können Sie aber auch keine Erstattung geltend machen. Nur in wenigen Ländern erhalten Sie einen Mehrwertsteuernachlass für den Teil Ihres Umsatzes, der unter diesem Grenzwert liegt (der Nachlass ist umso niedriger, je höher der Umsatz ist, bis der Grenzwert erreicht wird). Dieser Grenzwert ist von Land zu Land unterschiedlich und manchmal müssen zusätzliche Bedingungen erfüllt sein, damit Sie in den Genuss dieser Regelung kommen.

Zusätzlich müssen wir zwischen von der Mehrwertsteuer befreiten Produkten und Dienstleistungen und jenen mit einem Nullsatz unterscheiden. In manchen Fällen möchten Mitgliedstaaten einfach keine Mehrwertsteuer erheben. Dies gilt für Bildungs-, Gesundheits- und Finanzeinrichtungen. Wer von der Mehrwertsteuer ausgenommene Produkte oder Dienstleistungen verkauft, kann die Mehrwertsteuer auch nicht zurückfordern.

In manchen Ländern wird auf gewisse Produkte und Dienstleistungen 0 % Mehrwertsteuer erhoben. Dieser Steuersatz gilt beispielsweise in Großbritannien für die meisten Lebensmittel, Bücher, Medikamente und gewisse Verkehrsmittel. Wer diesen Steuersatz auf sein Angebot anwendet, kann die Mehrwertsteuer auf entstandene Aufwendungen zurückverlangen.

Artikel von geringem Wert mit einem Kaufpreis zwischen 10 und 22 Euro, die von außerhalb der EU importiert werden, können in manchen Mitgliedstaaten von der Mehrwertsteuer befreit sein. Dies kann beispielsweise von einem Land beschlossen werden, wenn Paketlieferungen am Postweg beschleunigt werden sollen oder die Erhebung der Mehrwertsteuer praktisch nicht durchführbar ist. Nicht in der EU ansässige E-Commerce-Unternehmen müssen normalerweise in den Mitgliedstaaten Mehrwertsteuer erheben, in denen sie geschäftlich tätig sind.

Möchten Sie mehr über das europäische Mehrwertsteuerrecht erfahren? Hier finden Sie einen Überblick über die in der EU geltenden Regeln.

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