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Sebastian Ritz: „KMUs werden ums Cloud-Computing nicht herumkommen“

Sebastian Ritz: „KMUs werden ums Cloud-Computing nicht herumkommen“

Sebastian Ritz ist ein Experte für Cloud-Computing. Als Geschäftsführer von Innovo, einem Anbieter für Private-Cloud-Lösungen mit modular wählbaren Plattform- und Servicekomponenten, ist er weltweit eine Schlüsselfigur des Private-Cloud-Computing. Innovo hat es sich zum Ziel gemacht, die IT-Angelegenheiten von Unternehmen durch Private-Cloud-Strukturen zu lösen.

Die Erfahrung von Ritz reicht bis 2011 zurück, als er Mitarbeiter eine Cloud-Projekts war.  Bei der Frankfurt Cloud handelte es sich um ein universitäres Forschungsprojekt mit dem Ziel, die Anwendungsmöglichkeiten der Cloud aufzuzeigen. Damals hatte er den Eindruck, den richtigen Moment, das Projekt zu kommerzialisieren, bereits verpasst zu haben: Auf der ganzen Welt waren bereits Cloud-Strukturen entstanden. Mittlerweile ist ihm klar, dass sie in Wirklichkeit ganz vorne mit dabei waren: Deutschland war zunächst sehr zurückhaltend in Bezug auf Cloud-Nutzung, ist nun aber dabei, zum restlichen Europa aufzuschließen.

Sebasitan Ritz - Cloud-Computing

„KMUs fühlen sich unter Druck, ihre Unternehmen zu digitalisieren. Meistens ist ihre alte IT-Infrastruktur nicht für die neuen Projekte geeignet, die sie übernehmen. Ihnen ist klar, dass sie sich nach einer Lösung umtun müssen - und eine solche kann die Cloud ihnen bieten.“

„Im Vergleich zu den vergangenen Jahren drängen die unterschiedlichen cloudbasierten Lösungen geradezu mit Hochdruck auf den Markt. Diese Entwicklung ist unumgänglich: KMUs stehen zunehmend unter Druck, viele innovative Projekte zu übernehmen, für die ihre IT-Infrastruktur nicht geeignet oder zumindest nicht agil und skalierbar genug ist. Ihnen ist klar, dass sie eine neue Lösung brauchen - und eine solche kann die Cloud ihnen bieten.“

Warum wurde die Cloud in Deutschland also nur so zögerlich angenommen? „Für die meisten deutschen Unternehmen war die Cloud ein Synonym für die ‚Public Cloud‘. Anfangs kannte man die Cloud hauptsächlich aus den USA, wo Anbieter wie Rackspace und Amazon Lösungen ‚irgendwo‘ in der Cloud anboten. Die Deutschen sind es gewohnt, ihre Hardware und Infrastruktur im wahrsten Sinne des Wortes ständig vor Augen zu haben. Tatsächlich sind auch aktuell noch 70% der Infrastruktur lokal in Server-Räumen untergebracht. Die Unternehmen möchten ihre Daten-Server sehen und sie nicht irgendwo in der Cloud verschwinden lassen.“

„Die meisten KMUs wissen gar nicht, was fortschrittliche Gefahrenabwehr eigentlich umfasst, aber ihnen ist schon bewusst, dass Cloud-Anbieter ein ganz anderes IT-Sicherheitsniveau bieten.“

Es ist ja klar, dass Ihre Daten nicht einfach so ‚verschwinden‘, wenn Sie sie in eine Cloud verlagern. Interessanterweise sehen sich Ritz und sein Unternehmen, das immerhin hauptsächlich IT-Lösungen für KMUs bereitstellt, nur selten mit solcherlei Sicherheitsbedenken konfrontiert. „Wir bieten hochgesicherte Rechenzentren, nutzen modernste Firewalls und halten strenge Sicherheitsbestimmungen ein. Die meisten Unternehmen wissen gar nicht, was fortschrittliche Gefahrenabwehr eigentlich umfasst, aber ihnen ist schon bewusst, dass wir ihnen IT-Sicherheit auf ganz anderem Niveau bieten.“

Wenn es eine Hürde gibt, auf die Ritz hinweisen muss, dann ist es die IT-Abteilung. Die Mitarbeiter dort sind oft der Meinung, dass es kompliziert, teuer und arbeitsintensiv sein wird, auf die Cloud umzustellen. „Deshalb bieten wir einen ‚minimalen Cloud-Ansatz‘ an: Wir stellen ihnen zunächst ein Mindestmaß an Cloud-Struktur zur Verfügung.  So können sie besser verstehen, dass sie keine neue Hardware erwerben müssen und unser Unternehmen sich um die Instandhaltung kümmert. Meistens überzeugt sie das, auch den nächsten Schritt zu wagen.“

Was Ritz hier beschreibt, gilt größtenteils für KMUs, aber bei größeren Unternehmen spielen andere Dinge eine Rolle. Meistens haben sie deutlich sensiblere Daten und fürchten, die Kontrolle über ihre Server zu verlieren.  Sie haben viel alte IT-Infrastruktur: Sie betreiben ihre eigenen SAP- und Lagerverwaltungssysteme. Sie werden alles dafür tun, um zu verhindern, dass diese in die falschen Hände geraten.

Amerikanische Cloud-Unternehmen sind viel anfälliger für Datenschutzverletzungen, weil sie den amerikanischen Behörden aufgrund des PATRIOT-Acts Zugang zu kritischen Daten gewähren müssen. Daher können diese Unternehmen keinen Datenschutz garantieren. Laut Ritz gibt es von US-Unternehmen jedoch nicht nur Schlechtes zu berichten. „Wenn man von Sicherheitserwägungen einmal absieht, sind diese Unternehmen extrem innovativ. Sehen Sie sich nur mal den Marktführer Amazon an: Kein anderer kann ihm in puncto Liefergeschwindigkeit auch nur im Entferntesten das Wasser reichen. Nach einem solchen Agilitätsniveau sollten wir alle streben.“

Zu bedenken ist auch, dass die Bestimmungen in europäischen Unternehmen deutlich besser sind und sich 2018, nach Inkrafttreten der Datenschutz-Grundverordnung, sogar noch weiter verbessern werden. „Aktuell besteht noch eine Lücke zwischen deutschem und europäischem Datenschutz, die es zu schließen gilt. Bis 2018 sind klare Richtlinien in Kraft, die hoffentlich zu einer deutlichen Vereinheitlichung der Bestimmungen führen.“

Aus Kundenperspektive ist die Cloud-Akzeptanz hoch, und es sind zahlreiche Cloud-Provider auf dem Markt. Die Leute beginnen zu begreifen, dass sie massiv in IT investieren müssen. In die Cloud zu wechseln ist ein logischer nächster Schritt als Basis für unternehmerische Innovation. Wir sollten nicht nachlassen, die Sicherheitsmaßnahmen weiter zu verbessern. Mit der Datenschutz-Grundverordnung sind wir dabei auf dem richtigen Weg. Wir müssen der IT-Industrie deutlicher machen: Zur Cloud zu wechseln ist nicht so teuer, wie man gemeinhin annimmt. Wenn Sie erstmal die Infrastruktur eingerichtet haben, können Sie einen Großteil der Arbeit automatisieren: Das bedeutet, dass Sie noch mehr Zeit sparen und diese dann klug einsetzen können, um in neue Wege zu investieren, die Sie smarter arbeiten lassen.